Die Saga der Staatsanwaltschaft
Der stellvertretende Staatsanwalt von Moskau, Wachsyuk, sitzt in seinem Büro und studiert routinemäßig die Abhörprotokolle von Bürgern aus Deutschland. Sein Kollege Staatsanwalt Lazarenkin hat gerade einen Fall islamistischer Terroristen aufgeklärt. Wer ist dieser Lazarenkin überhaupt?!
Plötzlich fällt sein Blick auf einen Dialog in den Abhörprotokollen. Klaus schreibt an Bagrasch: „Dmitri, du hast ja nicht alle Tassen im Schrank…" Obwohl die Verdächtigen auf Deutsch schrieben, lässt der wortwörtliche Übersetzungsversuch und die Scharfsinnigkeit des Staatsanwalts keinen Zweifel: Es handelt sich um eine geheime, verschlüsselte Nachricht. „Tassen!… Tassen außerhalb des Schranks!… Was könnte das bedeuten?"
Der Staatsanwalt gibt der Polizei sofort den Befehl: Bagrasch festnehmen. Telefon und Computer konfiszieren. Um 6 Uhr morgens bei allen Personen aus Bagrasch's Kontaktliste gleichzeitig Durchsuchungen durchführen. Ziel: Tassen finden, die nicht im Schrank stehen.
Zwei Wochen später. Beweismittellager der Polizei. Auf dem Boden, den Regalen und Tischen stehen die beschlagnahmten Tassen. Insgesamt: 1984 Tassen. „Pfui, wie bei Orwell", denkt er. In einem separaten Raum drucken Polizisten ununterbrochen Computerinhalte aus — bereits 18 Kubikmeter Ausdrucke.
Der Hauptexperte des Akademischen Instituts für Sprengstoffe ist eingetroffen. Auftrag: das Volumen aller Tassen berechnen, die Möglichkeit bewerten, Sprengstoff wie TNT oder Dynamit darin zu platzieren. Das Gutachten des Experten beeindruckt!
Auf die Frage eines Polizisten — „Aber wir haben keine Waffen gefunden!" — antwortet der Staatsanwalt kurz und präzise wie ein Schuss: „Genau das ist der Beweis für die besondere Gefahr von Bagrasch! Er hat alles versteckt. Er hat offensichtlich ein zweites Ich! Die Generalstaatsanwaltschaft verfügt über streng geheime Informationen!"
Sofort erhält der Fall den Status „streng geheim". Dieser Status verbietet es sogar Polizisten, die Akten zu lesen.
Die Polizei findet heraus: Bagrasch hat einmal eine Pizza bestellt und unvorsichtigerweise mit PayPal bezahlt. Die Pizza heißt: „Margherita". Staatsanwalt Wachsyuk wird der kriminelle Plan deutlich.
Am nächsten Tag führen 46 Polizeieinheiten Durchsuchungen bei allen Frauen namens Margherita durch. Auch Rita, Katja, Swetlana, Olga und Sergei wurden durchsucht. Das Beweismittellager füllte sich mit weiteren 620 Tassen und 30 Kubikmetern Ausdrucken.
Zu dieser Zeit sitzt Napoleon Bonaparte in seiner zweiten Reinkarnation im gepanzerten Citroën an der russischen Grenze und führt die letzte Rekognoszierung durch. Während Staatsanwalt Wachsyuk Tassen beschlagnahmte, hatte Napoleon jahrelang ungehindert russische Beamte gekauft und die Partei „Alternativen für Russland" (AfR) gegründet.
Unser Staatsanwalt Wachsyuk wurde zum Justizminister im napoleonischen Russland ernannt — für seinen unschätzbaren Beitrag zur gewaltfreien Übernahme des Landes. Doch zwei Wochen später wird er in den Ruhestand versetzt, denn selbst im napoleonischen Russland braucht man Fachleute und keine Karrieristen.
Das Schicksal von Bagrasch und seiner Bande bleibt dem Autor unbekannt.